Zeit und Lügen (Teil 1)

So sitzen wir wieder im Auto. Ich fahre, Alina schläft. Die Gedanken kreisen.

Man versucht den Moment festzuhalten oder sich zumindest bewusst zu werden, wo man ist. Wo man sich auf der Landkarte befindet ist an diesem Punkt so unwichtig wie es auch nur sein könnte. Vielmehr versuchst du dir selbst darüber klar zu machen, was du alles erlebt hast und wie weit du dich von dir selbst entfernt hast, seit dem du von Daheim weggegangen bist. Du fühlst dich gleich. Du steckst in den selben Gedanken fest wie damals.

Alina bewegt sich unbeholfen im Schlaf. Ich fühle mich wach. Die Müdigkeit, die mich in Deutschland beim Auto fahren oft überkam, lässt auf sich warten. Von hinten nähert sich einer der Road trains, die durch die Wüste Australiens brettern, und mit dem auch das beklemmende Gefühl, wenn dich ein so riesiges Geschöpf verfolgt.

Ich schweife ab. Die fehlenden Aufgaben für den Geist auf einer Reise machen sich bemerkbar. Die Gedanken schießen wie ein Flummi in alle Richtungen und kaum ein Gedanke bleibt unbedacht oder wird beendet. So ist es auch kein Wunder, dass ich es kaum schaffe mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen, was ich alles gemacht habe bis jetzt! Das Gefühl ist trügerisch. Die Zeit ist trügerisch. So kann ich die letzten 7 Monate kaum mehr zusammen fassen geschweige denn könnte ich sagen wie lange ich etwas gemacht habe, wenn es nicht Photos und Mitschriften als Beweise gäbe.

Ich habe mich nicht verändert denke ich. Meine Umgebung hat sich geändert. Ich bin auf Reisen. Daheim werde ich wieder der sein der ich immer war. Ich denke daran, dass ich mich zunehmend dem Ende meiner Reise mit Alina entgegen bewege. stört mich das? Ich glaube nicht. Ich freue mich auf eine neue Erfahrung. Bei dem Gedanken kommen mir Erinnerungen mit Alina in den Sinn. Wobei es viel weniger Erinnerungen sind als Gefühle.

Mir soll auch da noch nicht bewusst sein, wie sehr meine Reise mich geformt und verbogen hat. Wie sehr Alina mich geprägt hat, wie sehr mir Australien in Fleisch und Blut gegangen ist, und wie sehr es mein Weltbild noch durcheinander bringen soll.

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