Sydney

Da stehe ich nun. Warte bis ich den Flieger verlassen darf und Alina wieder sehe. Genau 4 Monate sind wir jetzt getrennt gewesen. Aber es ist nicht nur das, was mich unruhig werden lässt. Es ist so viel passiert. Sie wird sich verändert haben und ich habe mich verändert. Die meisten Geschichten, die man so hört, beschreiben nur den Moment, wie man sich wieder sieht. Was ist davor? Ich fühle mich eher wie ein Schluck Wasser in der Kurve, als energiegeladen und voller Vorfreude. Na klar freue ich mich. Aber mein Magen fühlt sich auch an, als wäre ich wieder bei der Abiturprüfung , als ich gemerkt habe, dass es nicht so rosig läuft. Als sich das Flugzeug langsam leert, scheint jeder zu wissen, dass er den triftigsten Grund hat ganz vorne zu stehen, wenn es durch die Grenzkontrolle geht. Ich gehe vorher noch einmal auf die Toilette, um mir eine Hemd anzuziehen, dass ich vorm Abflug extra noch mit eines der Probeparfüms eingesprüht habe, dass ich auch ja gut rieche. Das das ein Fehler war, merke ich, als ich an die Grenzkontrolle komme und scheinbar die nächsten 3 Flieger schon angekommen sind und aus meinem Flieger keine einzige Person mehr in der Schlange zu sehen ist. Da stehe ich nun. Mein Herz setzt sich immer wieder in niedrigere Gefilde meines Körpers ab. Meine Gedanken springen immer wieder hin und her. Ich denke an Alina. Wie es wohl sein wird sie gleich wieder zu sehen oder wie es wohl ist nach so viele Jahren wieder nach Sydney zu kommen, wo ich so viel erlebt habe und so viel passiert ist. Dann bin ich an der Grenzkontrolle vorbei und bewege mich nach der Gepäckausgabe Richtung Ausgang. Jetzt könnte ich natürlich lange beschreiben, wie es war sie wieder zu sehen, wie ich mich gefühlt habe, aber ich denke das kann ich nur sehr schwer beschreiben. Was mir jedoch noch sehr sehr klar im Gedächtnis geblieben ist, war die recht forsche Empfehlung einer älteren Dame, die wohl jemanden abholen sollte, was das Schild in ihrer Hand mit einem Name darauf andeutete, wir sollten uns doch ein Zimmer holen. Das es uns beide die Sprache verschlagen hat, liegt ziemlich wahrscheinlich daran, dass wir zu wenig mehr in der Lage waren, als uns fest zu umarmen. Naja nicht desto trotz kann man sich wohl vorstellen, dass das eine ebenso belustigende wie auch merkwürdige Situation war. Auch im Bus ist es uns nicht möglich, wenigstens für diesen Abend unsere Gewohnheiten beiseite zu lassen und das verliebte Pärchen mit der rosaroten Brille raus hängen zu lassen. Nach wenigen Minuten der Zweisamkeit an der Bushaltestelle spricht uns ein sportlicher junger Mann (etwa vom Alter Anfang bis Mitte 40) an, ob wir ihm denn erklären könnten…. Was genau solltem wir ihm eigentlich erklären? Wie und wo er ein Ticket kaufen könne, wie er seine Haltestelle finde, geschweige denn wie er es schafft seinen Freund zu kontaktieren, dessen Angebot, für eine Bleibe, er nutzen wollte, ohne ihm überhaupt mitzuteilen, dass er in Australien ist. So hatten wir in unserem kleinen AirB&B-Hüttchen das erste Mal wirklich unsere Ruhe. Die Vorstellung all die Orte noch einmal zu sehen, die mir noch in Erinnerung geblieben sind und das alles mit einer Person, die einem so vertraut ist, lässt einen fröhlich werden und doch auch skeptisch. Jeder muss unweigerlich feststellen, wie sehr man Orte, die man nach so langer Zeit wieder sieht, in seiner Erinnerung verändert oder dramatisiert hat. Auch die Menschen, die ich nach fast 5 Jahren wieder sehe, werden sich verändert haben. Auch das Land, was mir einmal so vertraut schien werde ich nochmal auf ganz andere Art und Weise kennen lernen. Ich werde vieles wiedererkennen und doch wird sich meine Sicht auf Australien verändern und weiterentwickeln über das kommende Jahr, dass ich in Down Under verbringen werden.

 

 

 

 

 

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