Say it loud, say it clear. Refugees are welcome here! Australian Soul

 

Als ich dieses Mal nach Australien gekommen bin, dachte ich mein Bild über Australien und „DIE“ Australier sei recht vollkommen, doch wenn ich jetzt durch die Straßen laufe sehe ich etwas anderes.

Perth. Die Innenstadt ist recht voll, wie an den meisten sonnigen Tagen um die Mittagszeit. Alina und ich bummeln durch die Einkaufsstraßen, wie wir es so oft gemacht haben. Die Gedanken pendeln. Lautstark macht sich eine Demonstration bemerkbar. laut rufen die Menschen:“ Say it loud! Say it clear! Refugees are welcome here!“ Interessiert und verwundert nähern wir uns der Menschenmenge. Vielleicht 100-150 Menschen hatten sich hier getroffen, um ein Statement zu setzen. Es ist sind nicht viele Menschen aber nicht desto trotz bekomme ich eine Gänsehaut jedes Mal, wenn sie ihr Statement im Chor rufen. Ich bin begeistert. Ich verspüre Begeisterung und Sympathie mit diesen Menschen.

Schnitt

Langsam watschle ich hinter Tim meinem Mitbewohner her, der sich, wie so oft, die Aufgabe gestellt zu haben scheint den Second Hand Shop leer zu kaufen. Mit Belustigung folge ich ihm und genieße den freien Tag mit diesem unterhaltsamen Zeitgenossen und Freund. „Mit seinen 28 Jahren scheint unser Flatmate sich immer noch nicht zu schade zu sein mit Grimassen, lautem Gebrüll oder aber einfach seiner tiefenentspannten Art seine Mitmenschen zu belustigen.“ , denke ich mir. Ich schaue mich um. Der shop ist, wie eigentlich immer, recht spärlich besucht. Eine ältere Dame macht sich neben Tim daran irgendwelchen Ramsch aus dem Regal zu ziehen. Nachdem ich mich selbst ein wenig umgeschaut habe, schaue ich mal wie weit mein Kumpane gekommen ist. 2 Minuten später bin ich bepackt mit irgendwelchem Zeug, dass der junge Berliner wahrscheinlich nicht braucht, aber so billig ist, dass sogar der staubige Geldbeutel von Tim das noch herzugeben scheint. Tim hat mittlerweile ein Gespräch mit der älteren Dame begonnen. Ich höre kaum zu, weshalb ich immer wieder nur Satzfetzen aufgreife. Sie fragt Tim woher er denn komme. Ich begebe mich näher zu den beiden und höre genauer zu als Tim sagt, dass er eigentlich nicht zurück nach Deutschland ziehen will. Die Dame lächelt und meint:“ aja wegen der vielen Flüchtlinge oder?“ Ich bin schockiert und schaue Tim verwundert an. Tim scheint diese Aussage nicht weiter zu beachten. Ich drehe mich verärgert weg. Ich war so „baff“, dass ich nicht mehr tun konnte als mich wegzudrehen. Aus Interesse laufe ich wieder auf die beiden zu und möchte die Frau auf diese Aussage ansprechen. „Australien ist ein Paradies nicht wahr?“ Antwortet sie. Bevor ich an dem Gespräch teil nehmen kann, sagt Tim ganz trocken, dass er Australien liebe ihm jedoch zu viele Rassisten hier seien. Ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen, wegen der absolut trockenen Provokation, die meinem Second Hand Guru doch tatsächlich, wie beiläufig,  mit gekonnter Desinteresse aus dem Mund kommt. Die Frau scheint  sichtlich überrascht und verwirrt. Nach ein paar Gedenksekunden antwortet sie mit den, meiner Meinung nach, traditionellem Floskeln einer Person mit einer Meinung aber ohne Argumente, was sich alles in allem ungefähr mit „Ich bin kein Rassist ABER…!“ zusammenfassen lässt. Tim stimmt ihr geübt provokant zu und das er ja gar nicht sie gemeint habe. Nach einigen hin und her geworfenen Zugeständnissen verabschiedet sich die Dame, scheinbar nicht zufrieden, da sie merkte, dass weder Tim noch ich überzeugt waren und Tim sie noch nicht einmal ernst nahm. „Was zur Hölle war das denn?“ frage ich Tim. Tim lacht mir zu. Keine 5 Minuten später kommt die Frau, die scheinbar den Laden schon verlassen hatte, wieder und wirft ein:“ Ihr seid ja deutsche nicht wahr? Ihr liebt doch Angela Merkel. Ich liebe Angela Merkel auch. Ich kann mir das Lachen kaum verkneifen, da diese Aussage wohl dazu dienen sollte uns klar zu machen Angela Merkel = Retterin der Flüchtlinge > daraus folgt Wer Angela Merkel mag = Kein Rassist. Ich folge erstaunt dem Gespräch, dass keine 3 Sätze später wieder bei der Aussage der Dame war, dass man ja gegen Muslime kämpfen müsse. Ich kann es kaum fassen doch Tim scheint das alles nicht zu überraschen.

Am Ende fragt sich natürlich jeder Besucher, der das so sieht oder aber auch liest:“ Ja was ist denn jetzt eher die Art der Australien? was ist der „Australian soul?“

Beantworten kann ich das leider auch nicht pauschal. Am Ende mache ich hier meine Erfahrungen und kann mit all meinen Erfahrungen von heute und denen, die ich bei meinen früheren Besuchen schon gemacht habe, eine Meinung bilden, möchte aber eher nicht davon sprechen, dass ich wüsste was genau die Wahrheit ist. Im Grunde ist es recht einfach zu sagen die Australier neigen zu einem recht rassistischem Verhalten. Ich habe solche Erfahrungen regelmäßig gemacht und auch die Familien, die ich schon kennen lernen durfte, konnten mir, was das angeht, wenig anderes berichten bzw. widersprechen. Die Australier scheinen durch ihre Abgelegenheit wenig Erfahrungen mit anderen Ländern bzw. Kulturen zu machen, was erklären könnte, dass einem der Rassismus nochmal ein wenig präsenter vorkommt als in Europa. Dieser Rassismus wendet sich gegen Asiaten, gegen Muslim und Aborigines. Meiner Meinung nach gegen die Asiaten, weil man die heimliche Eroberung der Chinesen fürchtet, gegen die Muslime, weil man kaum welche im Land hat und sich wie immer vor dem was man nicht kennt und in den Nachrichten nur im Zusammenhang mit Terrorismus sieht schützen muss und gegen die Aborigines, weil man die viele Aborigines auf der Straße sieht, die mit dem System nicht klar kommen, und ihnen vorwirft, dass sie ihre Kultur, die mit vielen tausend Jahren eine der ältesten Kulturen unserer Erde ist, nicht weg werfen und sich innerhalb von spärlichen 200 Jahren an unsere westliche Art zu leben anpassen. So sehen manche Australien ( Ich möchte nicht sagen viele, da es durchaus daran liegen kann, dass ich mich hier überwiegend unter der Arbeiterschaft aufhalte) hier einen asiatischen Arbeiter als Invasion, einen Muslim als Terrorist, und einen Aborigines als heruntergekommenes Tier an. So sind peinliche Vergleiche zwischen Flüchtlingen und Terroristen und absurde Ausrutscher man sollte doch mal einen Aborigines umbringen nicht die Tagesordnung jedoch leider auch keine Fantasievorstellung.

Ich möchte nicht behaupten, dass die meisten Australier oder auch mehr als in Deutschland rassistisches Gedankengut spazieren tragen. Es kann daran liegen, dass dies tatsächlich der Fall ist oder aber auch daran das die deutschen im Gegensatz zu den Australiern eine Geschichte haben, wegen der ihnen andere doch sehr sehr genau auf den Mund schauen und wir so mehr aufpassen was wir von dem, was wir denken, sagen. Ich möchte diesen Eintrag nicht dazu nutzen, dass Land mit ihren Menschen schlecht zu reden. Ich genieße Australien mit den unfassbar schönen Landschaften und die Menschen mit  ihrer sehr offenen Art und dem Sinn dafür das Leben zu genießen. Je länger ich hier bin desto mehr merke ich doch auch, dass die Australische Mentalität sich doch auch abhebt zur deutschen oder europäischen und vieles ganz anders ist aber wie bei jedem Menschen, muss man die Macken kennen, ignorieren und damit umgehen können. Mit Macken meine ich in diesem Fall nicht den Hang zum Rassismus, der mich doch zu aggressiv macht, als das ich ihn ignorieren könnte, sondern vielmehr ihre gelegentlich doch recht unehrliche Art verbunden mit ihrer nach außen extrem offenen und emotionalen Präsenz, die vielleicht Alina und mir als Person oder aber auch einfach als deutsche widerspricht.

Ich hoffe natürlich wie immer, dass euch dieser Blog gefallen hat und ihr etwas damit anfangen konntet. Ich werde immer wieder solche Texte hochladen, in denen ich euch einfach nur beschreiben werde was uns bewegt und nicht darauf eingehen werde, was bei uns gerade passiert. Wie immer freue ich mich sehr über Feedback und Fragen, die ihr vielleicht habt zu jeglichen Kontext, den ich hier beschreibe.

Zu guter letzt möchte ich sagen:“ Die traurige Tatsache ist, dass Rassismus leider oft auf dem unfassbar primitiven Kindergarten Argument basiert, dass wir als Einwohner zuerst da waren. Das was mich daran leider noch fassungsloser macht ist, dass die Australier noch nicht mal DAS ihr Argument nennen können. Wie schafft es eine Gesellschaft, die dieses Land vor ein paar Jahrhunderten entdeckt hat, die erst 1964 einheitlich Aborigines uneingeschränkt als Menschen mit den selben Rechten gleichgestellt hat, und die so unfassbar viele Besucher von allen Ländern dieser Erde haben, einen so tief ausgeprägten Rassismus gegenüber andersfarbigen oder anderen Kulturen öffentlich zur Schau zu tragen?

 

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