Bali

Leicht gestresst laufe ich durch den wahrscheinlich berühmtesten Markt Bali`s in Ubud. Warum gestresst? Naja die meisten Urlaubseinkäufer kennen das Gefühl der Familie und allen Freunden etwas aus Bali mitbringen zu wollen, wenn man schon Mal da ist. Das sorgt, wie die meisten bestimmt kennen, für ein Stressgefühl das sich langsam durch die Nerven arbeitet, bis nichts als nackte Verzweiflung übrig bleibt, gepaart mit Hoffnungslosigkeit. Wer schon mal auf Bali war, weiß das es wohl ein recht dummes Unterfangen ist jemandem etwas Traditionelles aus Bali mitbringen zu wollen und dafür auf einem der Touristenmärkte Bali`s zu suchen. So fühle ich mich meistens, bis zu dem Augenblick wo ich es aufgebe nach Geschenken zu suchen und einfach nur das Treiben des Marktes beobachte, als ob ich angefangen hätte die Luft anzuhalten, als ich diesen Ort aufgesucht habe, und erst wieder Luft holen könnte, wenn ich das alles hinter mir gelassen habe.

So habe ich es mal wieder aufgegeben und schaue mich um. Alina habe ich, wie soll es anders sein, ohne es zu bemerken an einen Schmuckstand verloren. Ich entschließe mich einfach zu warten und eine junge Frau kaum älter als 18 zu beobachten 😉 Ich stelle mir belustigt vor wie ein Kommentatorenteam am Rand des Geschehens steht und dieselbe Frau gerade in Augenschein genommen hat. Mit aufgeregter Stimme wie ein Stadionsprecher bei einem Fußballspiel fängt der Kommentator an schnell warm zu laufen.

 

Kommentator 1:“ Eine Frau nähert sich dem Stand mit dem Schnitzereien und farbenfrohen Tüchern. Aaaaaah nicht nur ich habe erkannt, dass sie wohl ganz offensichtlich Interesse an den traditionellen Tüchern hat die sich „Sarong“ nennen. Die Gegenseite schmeißt natürlich sofort alle Hebel in Bewegung und schiebt der jungen Dame alles in die Arme, was sie wohlmöglichen kaufen könnte.“

Kommentator 2:“ Altes Spiel immer gleiche Taktik. Dem leicht überheblichen Lächeln der Dame nach trifft man hier wohl auf einen sogenannten „alten Hasen“. Sie ist höchstwahrscheinlich erfahren im Handeln und ihr ist natürlich bewusst was die Verkäuferin da versucht und lässt sich dadurch nicht in die Irre führen. Ich denke das könnte sich hier zu einer spannenden Partie entwickeln.“

Kommentator 1:“ Wir wollen es hoffen noch haben keine der beiden Parteien ihre Karten auf den Tisch gelegt. Höflichkeiten der bekannten Art werden ausgetauscht bevor man zum Angriff ansetzt. Die Interessentin legt einen ersten Vorstoß vor und erkundigt sich nach dem Preis.“

Kommentator 2:“ Hier dürfte sich recht schnell heraus stellen wohin das Match gehen könnte. Je nachdem wie der Verkäufer seinen Gegner einschätzt, gibt es hier in der Regel 2 Vorgehensarten. Der Verkäufer setzt hier entweder auf den gütigen einfachen Verkäufer der einen ziemlich hohen Preis setzt und versucht erfahrene Käufer durch das „Ich bin nur ein armer Agrarökonom mit 2 Kindern“ Argument dazu zu bringen einen ziemlich hohen Preis zu bezahlen oder man setzt auf die Unerfahrenheit des Käufers und gibt ihm erst mal einen so hohen Preis, dass selbst nach ein wenig handeln der Preis noch so hoch liegt, dass der Verkäufer noch das Geschäft seines Lebens macht. Das dürfte auf jeden Fall sehr interessant werden wie der Verkäufer sich entscheidet ich setze auf erstere Taktik. Fehlende Freundlichkeit und die leichte Arroganz der wahrscheinlich europäisch stämmigen Dame lässt auf einen „alten Hasen“ schließen. Die wird hier die Zügel in der Hand halten.“

Kommentator 1: Ich bin mir da noch gar nicht so sicher. Das allzu offensichtliche Interesse und die Überheblichkeit scheinen mir eher von einer eher Unerfahrenen zu sprechen.“

Kommentator 2:“ OOuuuuuhhh umgerechnet 15 Doller für das einfache Tuch. Aaaaah ganz offensichtlich wurde hier doch letztere Taktik angewandt und man geht von einer Unerfahrenen aus. Das fehlende Schauspiel der Entrüstung durch die Kundin zeugen wohl davon das sie recht haben Kollege, oder aber wir haben hier eine exzellente Schauspielerin vor uns und möglicherweise eine der ganz harten Gegner. Ob der Verkäufer hier nicht vieeeeel zu hooch pokert.“

Kommentator 1:“ Oooooh Himmel Hergott sie beräht sich mit ihrer Freundin, was gibt es denn da zu beraten? Grundgütiger sie werden diesen Preis doch nicht etwa annehmen?“

Komentator 2:“ Sieeeeee bieetet $5. Man hätte natürlich noch niedriger setzen müssen um den wahrscheinlich fairen Preis zu zahlen, aber wenn man faire Preise will sucht man ja wohl kaum auf dem größten und touristischsten Markt auf dieser Insel. In diesem Falle wird von den Kunden gerne die Taktik des harten Mannes gewählt. Bei dieser Taktik sagt man einen Preis den man bereit ist zu zahlen und bleibt dann stur. Durch gezieltes Argumentieren und eschoffiertes Aufschreien bei höheren Gegenangeboten kann hier der Händler unter Druck gesetzt werden und im Äußersten kann hier sogar der Laden verlassen werden, um darauf zu pokern, dass der Händler einen zurück ruft und neu verhandelt oder aber direkt auf den Preis eingeht.“

Kommentator 1:“ Der Händler sagt 14.“

Kommentator 2:“ Wooooow die Kundin setzt eine Schlitzohrmiene auf und sagt 8“

Kommentator 1:“ Der Händler erkennt sofort seine Chance und geht auf 10“

Kommentator 2:“ Jetzt überlegt die Kundin zu lange? Kann sie sich aus dieser Lage noch Retten?“

Kommentator 1:“ Sie sagt sie kauft? Nein das kann sie nicht machen. :0“

Kommentator 2:“ Sie scheint sich ihres Sieges gewiss zu sein! Sie hat es getan! Einfach so. Sie hat einfach mal das 5-fache des Preises gezahlt, den sie ohne weiteres auf jedem anderen kleinen Markt hätte erhalten können. WOW!“

Kommentator 1:“ Und sie scheint sich auch noch ganz schön sicher zu sein einen super Deal gemacht zu haben.“

 

Ziemlich belustigt wende ich mich von diesem Schauspiel ab. Man kann es den Einheimischen nicht verdenken, dass sie davon ausgehen ein jeder Tourist hätte einen Baum an dem Geld wächst im Garten, wenn sie dabei zu sehen, wie sogar junge Backpacker ohne weiteres utopisch hohe Preise für einfache Güter wie Stofftücher zahlen, wobei der Einkaufspreis wahrscheinlich bei weniger als 50 cent liegt. Folglich darf man es denn Händlern nicht böse nehmen, wenn sie einen, nach volkstümlichen Ausdruck, abziehen wollen, auch wenn es mir doch sehr schwer gefallen ist.

Langsam laufe ich zurück, um Alina zu finden. Träge lass ich mich mit der Menge mit treiben und betrachte gespannt, wie sich andere Reisende beim Handeln schlagen.

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